Jul
4
2016

Teil 6: 1969 bis 1973 – Live Live Live

Elvis-Presley

Anfang der 70er Jahre steht Elvis fast ohne Pause auf der Bühne und absolviert ein Live-Konzert nach dem anderen. Das absolute Highlight – das berühmte Konzert „Aloha From Hawaii Via Satellite“. Es war das erste über Satellit in über 40 Länder der Welt übertragene Konzert eines Solokünstlers.

Text: Helmut Radermacher

Im Januar des Jahres 1969 befand sich Elvis in Memphis im American Sound Studio von Chips Moman. Es war das erste Mal seit der SUN-Zeit, dass er in seiner Heimatstadt aufnahm. Kaum einer der dortigen Musiker hatte zuvor mit Elvis gespielt, das war Absicht – Elvis wollte sich einen neuen Klang verschaffen – es gelang. Er produzierte so viel Musik wie nie zuvor, innerhalb von zwei Monaten nahm er mehr als 30 Songs auf, mit dabei auch „In The Ghetto“ (USA Platz 3, in Deutschland sogar Nummer 1), „Suspicious Minds“ (Elvis‘ letzte Nummer 1 in USA) oder „Don’t Cry Daddy“ (Rang 6).

Elvis Presley From Elvis In Memphis CoverDie LP mit ersten Songs aus dieser Mammut-Session hieß From Elvis In Memphis, sie landete in USA auf Platz 13. Eine Doppel-LP mit einer Platte weiterer Studio-Aufnahmen plus einer LP mit Live-Aufnahmen wurde betitelt From Memphis To Vegas/From Vegas To Memphis.

Elvis fuhr nach den 57 Shows im International in Vegas 1969 fort, weiter live aufzutreten. Wieder 57 Shows 1970 in Las Vegas, dann füllte er an drei aufeinanderfolgenden Tagen das ausverkaufte Astrodome in Houston, Texas – sechs Shows mit mehr als 300.000 Zuschauern, und es war nicht sein letzter Rekord usw.

Elvis hatte zu der Zeit eigentlich zwei Bands, die im Studio und die auf der Bühne. Lediglich sein Gitarrist James Burton war in beiden vertreten. Jetzt kam ein weiterer genialer Live-Musiker dazu – Glen D. Hardin, er ersetzte Larry Muhoberac am Klavier. Glen hatte schon bei den Crickets, der Band von Buddy Holly gespielt. Ann Williams ersetzte für kurze Zeit Cissy Houston bei den Sweet Inspirations. Cissys Cousine war die bekannte Sängerin Dionne Warwick (über 50 Hits in USA) und Cissys Tochter wurde ab 1984 ein Superstar – Whitney Houston. Übrigens, Cissy ist auch die Sängerin, die so tapfer durchhält, als Elvis die bekannte Lach-Version von „Are You Lonesome Tonight“ am 26. August 1969 in Vegas sang.

Live-Routine und Ehrungen

Wieder begann das Jahr 1971 mit 57 Shows im International Hotel in Vegas, aber schon wollte auch die Konkurrenz nicht ohne Elvis sein – das Sahara Tahoe Hotel in Stateline, auch im Staat Nevada, verpflichtete ihn für 28 Auftritte im Sommer.

Im August bekommt Elvis einen weiteren wertvollen Preis, den NARAS (National Academy Of Recording Arts and Sciences). Vorher wurden nur Bing Crosby (nach dem der Preis später auch umbenannt wurde), Frank Sinatra, Duke Ellington, Ella Fitzgerald und Irving Berlin damit geehrt.

Die Beatles, David Bowie, Bob Dylan und Art Garfunkel als Fans

Der Januar begann erneut mit Konzerten in Las Vegas. Das International hieß inzwischen seit Juni 1971 Hilton, sonst hatte sich nichts geändert. 57 Shows, dann ab April die nächste Tournee, die mit Zwischenstopp in Vegas (63 Shows) bis nach Hawaii führte, wo Elvis an zwei Novembertagen drei Auftritte gab – es war sowas wie eine Probe für das große Event im Januar 1973. Und es folgte endlich auch wieder ein Hit, „Burning Love“ erreichte die Position 2 in den Charts.

Im Juni hatte er vier Konzerte in New York gegeben, die Stadt lag ihm bei seiner Live-Premiere im Madison Square Garden zu Füßen. Natürlich hieß es wieder viermal „AUSVERKAUFT“, viermal Rekord mit insgesamt 80.000 Zuschauern. Noch nie hatte jemand im New Yorker „Garden“ vier Auftritte ausverkauft. Die New York Times titelte Like A Prince From Another Planet. Auch John Lennon, George Harrison, David Bowie, Bob Dylan und Art Garfunkel waren anwesend. RCA nahm die Konzerte auf und brachte sie in Höchstgeschwindigkeit auf LP heraus.

Elvis Presley Album Aloha From Hawaii CoverEin Aloha from Hawaii an die Welt

Am 12. Januar 1973 war es soweit – Elvis gab ein erstes Konzert, das zur Vorsicht aufgezeichnet wurde (diese Version erschien dann auf großen Wunsch der Fans schließlich 1988). Die Aufzeichnung wäre gesendet worden, wenn etwas schief gelaufen wäre. Am 14. Januar dann fand die „offizielle“ Veranstaltung statt, das einstündige Konzert im International Convention Center in Honolulu. Erstmals wurde das Konzert eines Solokünstlers gleichzeitig in mehreren Ländern live ausgestrahlt; wegen der Zeitverschiebung hauptsächlich sogar in Südostasien, wo sich die Einschaltquoten zwischen 70% in Hongkong, 70 bis 80% in Südkorea und über 90% auf den Philipinen bewegten.

Zehn Tage später erschien bereits die Doppel-LP Aloha From Hawaii via Satellite , für die so gut wie alles im Vorfeld vorbereitet war. Sie erreichte in USA Platz 1 sowohl der Pop- als auch der Country-Charts , allerdings nur für eine Woche. Man darf nicht vergessen, zu dem Zeitpunkt hatte noch kein Amerikaner die Show sehen können. Die LP stieß am 5. Mai eine der erfolgreichsten LPs der Popgeschichte vom Thron – Dark Side Of The Moon von der englischen Band Pink Floyd, wurde dann aber auch nach der einen Woche ganz oben von einer weiteren Top Band, den ebenfalls aus England stammenden Led Zeppelin mit deren LP Houses Of The Holy abgelöst. Einen Monat nach der Veröffentlichung wurde die Aloha From Hawaii via Satellite vergoldet. Sie geriet dazu zur ersten Quadrophonie-LP der Geschichte der Schallplatten, die eine Auszeichnung bekam. Platin sollte nicht lange auf sich warten lassen und auch die später erschienene Deluxe-DVD wurde inzwischen mehrfach von der RIAA mit Platinum ausgezeichnet.

Die nächste 45er in dem Jahr, „Raised On Rock“ war zwar sehr gut, wurde aber nur ein mittlerer Hit. Für dieses Lied und andere ging Elvis in ein neues Studio. STAX war nur ein paar Minuten von Graceland entfernt. Dort nahm er im Juli und Dezember 1973 insgesamt Song-Material für drei LPs auf – Elvis/Fool, Raised On Rock und Promised Land. Es waren wirklich gute Produktionen, auch mit einem neuen Elvis, dennoch blieben diese LPs mit den Plätzen 52, 50 und 47 weit unter Wert. STAX stand eher für erfolgreiche schwarze Musik von Otis Redding, Booker T & The M.G.s, Sam & Dave, Wilson Pickett, Isaac Hayes, usw.